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Kruse, Matthias

From linear to long-chain branched poly(ethylene terephthalate) – reactive extrusion, rheology and molecular characterization

ISBN 978-3-7983-2891-4 (print) In Warenkorb legen

ISBN 978-3-7983-2892-1 (online) Online Lesen

XVI, 169 Seiten

Erschienen 2017

Preis: 12,00 EUR

Kunststoff-Forschung (Band 81) (Institut für Werkstoffwissenschaften und -technologien)

Abstract (Deutsch)

Polyethylenterephthalat (PET) zeichnet sich durch hervorragende mechanische Eigenschaften, sowie chemische Beständigkeit und Barriereeigenschaften aus und findet insbesondere in der Verpackungsindustrie Verwendung. Die Neigung zur Degradation und die wegen der linearen Kettenmoleküle geringe Viskosität schränken jedoch die Verarbeitbarkeit von PET wie beispielsweise das Schäumen und Folienblasen erheblich ein. In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss der thermischen Stabilität während der Verarbeitung von drei linearen industriellen PET-Typen untersucht, die sich durch Molmasse und Herstellungsverfahren unterscheiden. Des Weiteren wird langkettenverzweigtes PET (LCBPET) durch reaktive Verarbeitung mit drei verschiedenen multifunktionalen Kettenverlängerern, Pyromellitsäuredianhydrid (PMDA), Tetra- glycidyl-Diamino-Diphenyl-Methan (TGDDM) und Triphenylphosphit (TPP), hergestellt und charakterisiert. Durch die experimentelle Bestimmung der linearen und nichtlinearen rheologischen Eigenschaften der Schmelze und ihre Beschreibung mit Hilfe des sogenannten "Molecular Stress Function" (MSF) Modells gelingt eine quantitative Analyse des Materialverhaltens. Die molekulare Analyse wird zusätzlich durch die Ergebnisse von Gelpermeationschromatographie (GPC bzw. SEC) in Verbindung mit Lichtstreumessung gestützt. Die Untersuchungen der thermischen Stabilität von linearem PET im linear-viskoelastischen Bereich zeigen einen abnehmenden Speichermodul und somit ein thermo-oxidatives Degradationsverhalten in Luftatmosphäre. In inerter Stickstoffatmosphäre tritt hingegen nur thermische Degradation auf, gleichzeitig führt jedoch eine Polykondensationsreaktion zu einem Anstiegen des Moduls [Kruse et al., 2013]. Mit einem exponentiellen Regressionsansatz kann der anfängliche Zustand des Moduls in beiden Atmosphären zum Zeitpunkt Null, der dem Einbringen der Probe in das Rheometer entspricht, rekonstruiert werden. Die sich aus diesem Ansatz ergebende Zeitkonstante erlaubt es, quantitative Zusammenhänge zwischen der thermischen Stabilität der drei PET-Sorten und deren Molmasse sowie dem Herstellungsverfahren der PET-Typen aufzuzeigen. So weist hochmolekulares PET eine höhere Stabilität in Stickstoff und eine geringere Stabilität in Luft auf und umgekehrt. Hauptursache für dieses Verhalten ist die unterschiedliche Konzentration an Hydroxylendgruppen, die je nach Molmasse und Herstellungsmethode der jeweiligen PET-Typen variiert. Mit Hilfe der "Time-Resolved Mechnical Sprectroscopy" konnte die sich ändernde Viskosität über ein weites Frequenzspektrum und zu einer beliebigen Messzeit in beiden Atmosphären bestimmt werden. Wesentliche Ergebnisse dieser Untersuchung sind der Nachweis des Auftretens von (i) einem Weichmachereffekt bedingt durch die thermische und thermo-oxidative Degradation und den daraus resultierenden Oligomeren, (ii) dreidimensionaler Vernetzung mit der Ausbildung einer Fließgrenze, (iii) Diffusionsprozessen, die Einfluss auf die Polykondensationsreaktion haben, (iv) Wandgleiten, bedingt durch die Ablagerung von Nebenprodukten auf den Platten des Rheometers und (v) einem verbreiterten Scherverdünnungbereich [Kruse and Wagner, 2016]. Die Extrusion von linearem PET mit einem Doppelschneckenextruder unter industriellen Bedingungen führt zu einer starken Abnahme der Viskosität, die hauptsächlich durch Scherung und weniger durch thermo-oxidativen Abbau verursacht wird. Bei der reaktiven Verarbeitung der drei PET-Typen mit den drei verschiedenen Kettenverlängerern erwies sich das dreifunktionale TPP auf Grund von Toxizität und Lagerinstabilitäten als unbrauchbar. Die Verarbeitung der beiden vierfunktionalen Kettenverlängerer, PMDA und das epoxidhaltige TGDDM, führt zu erhöhter Viskosität, erhöhter Dehnverfestigung und erhöhter thermischer Stabilität mit zunehmender Konzentration des jeweiligen Kettenverlängerers. Das beschriebene Verhalten zeigt sich sowohl am Speicher- und Verlustmodul und dem daraus abgeleiteten Verlustwinkel, als auch an der Fließaktivierungsenergie und der Dehnviskosität. Dabei lassen sich die gemessenen Dehnviskositäten sehr präzise mit dem MSF-Modell beschreiben und die beiden nichtlinearen Modelparameter, β und f_max^2 ermöglichen eine quantitative Analyse der Verzweigungsstruktur und der Molekülstreckung. So zeigt die Modifiziereng von hohen PMDA-Konzentrationen und dem hochmolekularen PET eine mehr kammartige Struktur im Vergleich zu den beiden niedermolekularen PET-Typen, die eine baumartige Molekülstruktur und eine höhere Molmasse nach der reaktiven Extrusion aufweisen. Beide Effekte können mit der höheren OH-Endgruppenkonzentration der beiden niedermolekularen PET-Typen erklärt werden. Zu hohe Zusätze von TGDDM führen zu einem hochverzweigten und gelartigen Polymer. Das Bruchverhalten bei der uniaxialen Dehnung von mit einem hohen Zusatz von PMDA hergestellten langkettenverzweigten PET wird von einer limitierenden Bruchspannung bestimmt. Demgegenüber bestimmt eine maximale Dehnung das Bruchverhalten des mit einem hohen TGDDM-Zusatz hergestellten LCB-PET, verursacht durch ein kovalent gebundenes Polymernetzwerk. Die GPC Messungen mit drei Detektoren wurden an LCB-PET durchgeführt, das auf Basis der hochmolekularen PET-Type hergestellt wurde. Die molekulare Analyse der mit PMDA und TGDDM modifizierten Proben zeigt eine deutliche Zunahme der mittleren Molmassen, Molmassenverteilungsbreite, des Gyrationsradius und des hydrodynamischen Radius und bestätigt somit die rheologischen Ergebnisse. Das Auftreten von Verzweigungen wird außerdem durch den abnehmenden Mark-Houwink-Exponenten bei zunehmender Additivkonzentration verdeutlicht. Eine genauere Betrachtung weist auf eine sternartige Molekülstruktur bei geringer Zugabe beider Kettenverlängerer hin. Bei erhöhter Zugabe hingegen tritt eine kammartige Struktur bei PMDA und eine baumartige oder hochverzweigte Struktur bei TGDDM auf, wie auch aus den nichtlinearen viskoelastischen Messungen zu schließen ist. Insbesondere PMDA erweist sich als hervorragender Kettenverlängerer, der bei reaktiver Extrusion reproduzierbar eine sternartige, kammartige oder baumartige Molekülstruktur in Abhängigkeit von der verwendeten PET-Type und der PMDA-Konzentration ermöglicht und so das Verarbeitungsspektrum von PET auf neue Anwendungsgebiete erweitert.

Abstract (Englisch)

Poly(ethylene terephthalate) is one of the most widely used polymers in packaging industry, due to its high mechanical strength, chemical resistance, and barrier functions. However, its processing is determined by degradation and low viscosity. In particular, foaming and film blowing is restricted by the linear structure of the molecule and low melt strength. The stability of three linear commercial PET grades produced by different synthesis routes with different molar masses is analyzed in regards of processing at industrial scale. Subsequently, reactive processing with three multi-functional chain extenders (pyromellitic dianhydride, PMDA, tetraglycidyl diamino diphenyl methane, TGDDM, and triphenyl phosphite, TPP) is conducted to create large and long-chain branched (LCB) molecules. The mechanical and molecular properties in melt state are analyzed by linear and non-linear viscoelastic rheology, modeling by the molecular stress function (MSF) theory and size-exclusion chromatography (SEC) with light scattering measurements. Thermal stability measurements in the linear viscoelastic regime revealed degradation and a reduction of the storage modulus in air atmosphere, and, besides thermal degradation, an enhancement of the modulus in nitrogen atmosphere, due to polycondensation [Kruse et al., 2013]. Fitting by an exponential function leads to the reconstruction of the initial state of the sample at zero-loading time and to a time constant, which reveals clear relations between stability and molar mass for all three PET grades in both atmospheres. High molar mass PET is more stable in nitrogen and less stable in air environment, and vice versa, depending on OH end group concentration and synthesis route. The analysis by means of time-resolved mechanical spectroscopy allows the observations of moduli and complex viscosity at a fixed time, a wide range of angular frequencies, and at different atmospheres, and revealed: (i) a plasticizer effect induced by small molecules from thermal and thermo-oxidative degradation, (ii) cross-linking leading to yield stress, (iii) diffusion influencing polycondensation reaction, (iv) slipping due to deposition of side products, and (v) an enhanced shear thinning regime [Kruse and Wagner, 2016]. The extrusion of neat PET with a twin-screw extruder at industrial scale leads to strong reduction of viscosity mainly due to shearing. The impact of thermo-oxidative degradation is comparably small. The reactive processing of the three PET grades with the three chain extenders leads to the conclusion that the tri-functional TPP is not a useful chain extender due to rapid degradation and toxicity. The two tetra-functional chain extenders, PMDA and the epoxy-based TGDDM, lead to strong viscosity increase, increasing strain hardening effect, and increasing thermal stability with increasing chain extender concentration as confirmed by loss- and storage modulus, phase angle, activation energy of flow, and elongational viscosity. The MSF model predictions show good agreement with data measured, and allowed a quantitative analysis of the branching structure and of the stretch of the molecules by both non-linear MSF parameters. In comparison to the high molar mass PET with an apparent comb-like structure at high PMDA concentrations, the two initially low molar mass grades show a higher molar mass after processing with PMDA and seem to have a tree-like structure, which can be explained by the hydroxyl end group concentration of these two PET grades. The extensive use of TGDDM leads to a hyperbranched and gel-like structure. The fracture analysis from uniaxial elongation experiments reveals a limiting stress value for high PMDA concentrations and a limiting strain value for high TGDDM concentrations due to formation of a covalent network. The molecular analysis by SEC with triple detection of the high molar mass PET, which was reacted with PMDA and TGDDM, shows a strong increase of the average molar masses, polydispersity, radius of gyration, and hydrodynamic radius and confirms the molar mass increase observed by the rheological measurements. The branching was confirmed by a decreasing Mark-Houwink exponent with increasing chain extender concentration. Further, the analysis of the contraction of the molecule revealed a more star-like structure at low concentrations for both chain extenders. With increasing concentration, the structure changed to more comb-like for PMDA and random tree-like or hyperbranched for TGDDM as was also observed by non-linear viscoelastic measurements. PMDA revealed to be an excellent coupling agent which induces reproducibly either a star-like, comb-like, or tree-like structures depending on the concentration of coupling agent added and the hydroxyl concentration of the PET employed.

Schlagworte

poly(ethylene terephthalate), rheology, reactive extrusion, size-exclusion chromatography, modeling,
Rheologie, Polyethylenterephthalat, reaktive Extrusion, Gelpermeationschromatographie, Modellierung

Volltext online

Frei im institutionellen Repositorium der TU Berlin (Deposit Once):

https://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5683

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